Kohlenkirche (1908-1960)


Die „Kohlenkirche“  mit ihrem eindruckvollen  Uhrenturm im Jahr 1928.
Die „Kohlenkirche“ mit ihrem eindruckvollen Uhrenturm im Jahr 1928.

Geschichte

Als eines der ersten Gebäude auf dem Gelände des Georgschachtes wurde im Jahre 1908 die sogenannte „Kohlenkirche“ als Verwaltungsgebäude und Waschkaue fertiggestellt.
Das Gebäude umfasst einen Verwaltungstrakt mit repräsentativem Tor, Uhrenturm und Büroräumen, dahinter schließt sich mit der Waschkaue eine lange Halle an. Hier konnten die Bergleute während der Schicht untertage ihre Kleidung lagern.
Den Namen erhielt die Kohlenkirche aufgrund ihrer an Elementen sakraler Baukunst angelehnten, eindrucksvollen Architektur. Das Gebäude bildet ein herausragendes Beispiel für die Industriearchitektur des frühen 20. Jahrhunderts. Der Verwaltungstrakt erinnert mit seiner Uhr an einen Kirchturm, die lange Waschkaue an ein Kirchenschiff. Die opulenten Verzierungen an der Gebäudefassade tragen zum sakralen Eindruck bei.
Die Kohlenkirche und die Elektrozentrale gehören zu den letzten verbliebenen Beispielen für die Industriearchitektur des Historismus im Schaumburger Bergbau.Seit dem Ende des Kohleberg-
baus im Jahre 1960 dient die Waschkaue als Lagerfläche, der Verwaltungstrakt steht leer. Seit den 1980er Jahren verfällt das Gebäude zusehends.

Funktion

Im hinteren Gebäudeteil befand sich die Waschkaue. Hier konnten die Bergleute ihre Straßenkleidung ab- und ihre Arbeitskleidung auf der schwarzen Seite anlegen. Nach der Schicht wurde die dreckige, nasse Arbeitskleidung im Luftzug unter der Hallendecke getrocknet.
Erstmals standen den Bergleuten auch Duschen mit Warmwasser zur Verfügung.
Zuvor mussten die Arbeiter die teils kilometerlangen Heimwege in ihrer nassen Arbeitskluft zurücklegen und sich mit dem kalten Wasser aus dem Hausbrunnen waschen. Ohne richtige Duschen gelang es oft nicht, den öligen Schmutz aus dem Bergwerk vollständig abzuwaschen. Die Errichtung von Waschkauen stellte somit einen großen sozialen Fortschritt dar. Dennoch war die strikte Klassenteilung der kaiserlichen Gesellschaft auch hier allgegenwärtig: Die studierten Bergbeamten und Steiger, verfügten über gesonderte Waschräume.

In der Draufsicht wird die Unterteilung der Kohlenkirche deutlich. An den Verwaltungstrakt im vorderen Bereich schließt sich die Waschkaue an.
In der Draufsicht wird die Unterteilung der Kohlenkirche deutlich. An den Verwaltungstrakt im vorderen Bereich schließt sich die Waschkaue an.
Der Name "Kohlenkirche" erklärt sich wenn das Bauwerk von der Seite betrachtet wird. Das Foto entstand Ende der 1920er Jahre.
Der Name "Kohlenkirche" erklärt sich wenn das Bauwerk von der Seite betrachtet wird. Das Foto entstand Ende der 1920er Jahre.


Galerie

Industriegeschichte im Modell zeigt der MEC Stadthagen (Modelleisenbahnclub) Stadthagen, der es sich zur Aufgabe gemacht hat wichtige bauliche Errungenschaften der damaligen Industrie Schaumburgs im Maßstab 1:87 darzustellen. Der MEC Stadthagen ist seit 2014 im "Alten Umspannwerk" am Georgschacht ansässig. Mehr Informationen zum Verein und seinem Modell von der "Kohlenkirche"  gibt es hier.